Just For Fun Tours

Der Weg ist das Ziel

Motorrad-Tour Kuba Dezember/Januar 2021/2022

Nach langer Überlegung, wohin es über die Feiertage gehen sollte, viel unsere (Mady, Roby und Gerd) Entscheidung auf Kuba. Ideale Wetterbedingungen für eine Motorradtour und der besondere Reiz der karibischen Insel gaben den Ausschlag.

Lange war die Reise aufgrund von Corona jedoch mit einem großen Fragezeichen versehen. Würde die Einstufung als Hochrisikogebiet, verbunden mit einer Reisewarnung aufgehoben und würden die bestehenden Reisebeschränkungen wie Quarantäne nach der Einreise aufgehoben. Ab dem 15.11.2021 wurden alle Reisebeschränkungen für geimpfte Personen aufgehoben, so dass der Motorrad-Tour nichts mehr im Weg stand.

Kuba hatte es geschafft, die gesamte Bevölkerung weitestgehend zu impfen und die Fallzahlen deutlich unter das Niveau von Deutschland zu drücken, so dass wir mit einem guten Gefühl reisen können. Dadurch, dass verschiedene Flugverbindungen gestrichen wurden, sind aus den geplanten drei Wochen fast vier geworden.

Mit dem Motorrad werden wir die komplette Insel bereisen. Neben Havanna, Valle de Viñales, Pinar del Río, Trinidad, Santiago de Cuba, die Sierra Maestra, Rio Yumuri und dem Humboldt-Nationalpark sind viele weiter Ziele geplant.


Eine Zusammenfassung folgt am Ende des Tourberichts.


Endlich geht’s los. Wir verlassen das Corona Hochrisiko Gebiet und fliegen nach Kuba. Dort ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung. Der Inzidenz liegt bei 10 und die Impfquote ist über 90%. Trotzdem hat Corona uns im Vorfeld doch die Reisepläne mehrfach anpassen lassen. Diverse Unterkünfte waren noch geschlossen und Alternativen mussten gefunden werden. Der ursprünglich gebuchte Flug direkt nach Havanna wurde gestrichen und so landen wir nach 11 Stunden Flug, zwei Tage früher als zunächst geplant, in Varadero. Die Einreise lief dann völlig problemlos. Alle Formalitäten hatten wir im Vorfeld online erledigt. Von unserem Reiseveranstalter Profil Cuba-Reisen wurden wir am Flughafen abgeholt und so waren wir dann kurz vor Mitternacht Ortszeit im Hotel. Zuerst mal einen Tag Badeurlaub um den langen Flug und den Jetlag zu überwinden bevor wir Übermorgen die Motorradtour ab Havanna starten. Mit einem mobile Daten Pass der Telekom ist die Internetverbindung gut. Ob das in den nächsten Tagen so bleibt, um wieder täglich einen Bericht online zu stellen, wird sich zeigen.

Havanna, 23.12.21

Heute stand die Stadtbesichtigung von Havanna auf dem Programm. Die ca. 70 km Fahrt vom unserem Strandhotel nach Havanna ging überwiegend an der Küste entlang, vorbei an einem Ölfeld und einem Elektrizitätswerk. Nachdem wir unsere Koffer in der Casa Particular abgestellt hatten, haben wir zunächst die Altstadt von Havanna besichtig. Einige Gebäude wie z.B. das Capitol sind in einen sehr guten Zustand. Viele Gebäude sind jedoch teilweise stark renovierungsbedürftig. Mittags konnten wir dann gleich das kubanische Nationalgericht Ropa Vieja, das wohl bekannteste und beliebteste Gericht der Karibikinsel kosten. Für den Rindfleischeintopf wird das Fleisch stundenlang gegart, bis es zart genug ist und es sich zerteilen lässt. Sehr lecker. Am Nachmittag haben wir dann noch das moderne Havanna mit dem Platz der Revolution besichtigt. Vielen Dank an Marian für die interessante und informative Tour.

Am späten Nachmittag konnten wir dann schon die Motorräder übernehmen und mit unserem Tourguide Luis die Motorradtour der nächsten 19 Tage besprechen, der für unseren Reiseveranstalter Profil Cuba-Reisen die Tour fährt.

Von Havanna nach - Viñales, 24.12.21, 220 km

Kaffeefahrt, aber dazu später mehr. Endlich geht es los. Pünktlich wie vereinbart steht Luis um 8:00 Uhr vor der Casa und wir fahren die ersten Meter mit den 3 BMW F700GS Motorräder und beginnen die Rundreise zu unserem ersten Ziel, dem Viñales-Tal westlich von Havanna. Das Viñales-Tal liegt in der der westlichsten Provinz Kubas. Das Tal, das etwa 10 km lang und 4 km breit ist, gilt als eine der schönsten Landschaften Kubas. Es wurde 1999 von der UNESCO mit dem Titel „Kulturlandschaft der Menschheit“ ausgezeichnet.

Erst mal an die Motorräder gewöhnen und raus aus der Stadt. Zunächst fahren wir ein gutes Stück an der Küste entlang bevor wir dann in eine sehr hügelige und kurvige Strecke, etwas abseits der Küste, durch kleine Dörfer und entlegene Siedlungen fahren. Anfangs war die Strecke noch in einem recht guten Zustand. Das sollte sich aber bald ändern. Die Strecke wurde zu einer einzigen Schlaglochpiste, wie man sie kaum beschreiben kann. Unterwegs wurde eine Hälfte der Straße auch genutzt um dort Kaffeebohnen zu trocknen. Das haben wir mehrfach gesehen und scheint hier ganz normal zu sein. Immer wieder begegneten uns Pferdegespanne, die hier zum normalen Strassenbild gehören. Ochsengespanne, die in der Landwirtschaft als Fuhrwerke oder zum Pflügen der Felder eingesetzt wurden konnten wir auch noch mehrfach beobachten.

Kurz vor unseren Ziel Viñales haben wir dann noch eine Tropfsteinhöhle besichtigt. Nun ja, war was für Touristen im Schnelldurchlauf.

In Viñales selbst hatten wir eine schöne Casa, die Casa Chechi. Die anschließende Stadtbesichtigung bestätigte, dass hier der Tourismus noch lange von einem Normalzustand entfernt ist. Das uns von einem deutschen Touristen empfohlene Restaurant machte einen guten Eindruck, war aber wegen Heiligabend schon ausgebucht. Prinzipiell jedoch, legen die Kubaner keinen besonderen Wert auf Weihnachten. Der Dreikönigstag ist hier der Tag, an dem die Kinder mir kleinen Geschenken überrascht werden.

Von Viñales nach María La Gorda, 25.12.21, 180 km

Wenn ich die Hähne erwische, die schon um 4:30 Uhr den allgemeinen Weckdienst übernehmen. Einen unvorstellbaren Lärm haben die veranstaltet.

Nachdem die Ladesteckdose an meinem Motorrad instand gesetzt war ging es auch schon zeitig los. So waren wir die ersten die sich die Felsenmalerei in Viñales angesehen haben. Danach noch zu einem Aussichtspunkt von dem aus man einen sehr schönen Blick über das Tal hatte.

Unser Tagesziel in Maria la Gorda hatten wir schon gegen 14:00 Uhr erreicht, da der Nationalpark an der äußersten Westspitze Kubas noch wegen Corona geschlossen war.

Die Hotelanlage war zwar Corona bedingt nur zu einem Bruchteil belegt, so dass sicher viele Zimmer frei waren. Trotzdem war kein Check In vor der offiziellen Zeit um 16:00 Uhr möglich. Das wäre im Kapitalismus sicher so nicht passiert.

Als Entschädigung gab es dann dfür einen tollen Sonnenuntergang.

In Maria la Gorda befindet sich das zweitlängste Korallenriff der Welt. Das Tauchgebiet zählt zu den besten Kubas.

Von María La Gorda nach Soroa, 26.12.21, 264 km

Zunächst mal noch ein Zwischenfazit zu den Straßen in Kuba. Es gibt Abschnitte die sind ganz o.k. Ein Großteil der Straßen ist jedoch in einem katastrophalen Zustand. Manche Abschnitte sind eigentlich nur im Schritttempo zu befahren, um das Motorrad nicht zu beschädigen. Selbst auf der "Autobahn" ist man vor Schlaglöchern nicht sicher. Die  Leihmaschinen sind noch in einem akzeptablen Zustand, man spürt jedoch, dass die schon einiges mitgemacht haben.

Pferdegespanne, in etwa wie ein Pferd mit Sulky, gehören hier zum normalen Strassenbild. Die nutzen auch die Autobahn und fahren selbstverständlich ohne Licht. Ochsengespanne sieht man ebenfalls häufig.

Am Wegesrand sind immer Pferde angeleint, die das wenige Gras dort fressen. Des Öfteren sieht man auch Pferde in eine schlechten Zustand.

Auf dem Rückweg von Maria la Gorda haben wir einen Tabackbetrieb besucht. Im Betrieb von Hector Luis Prejeto wurde die Behike 60 hergestellt. Den kompletten Prozessen von dem Aussähen der Tabakpflanze über die Ernte und die Trocknung der Blätter bis zur Verarbeitung einer fertigen Zigarre wurde uns gezeigt. Handgemachte gute Zigarren können mehrere Hundert Euro kosten.

Übernachtet haben wir in Soroa. Der Ort ist aufgrund seines vielbesuchten Wasserfalles Salto de Soroa und seines Orchideengartens sehr bekannt.

Zum Tagesabschluss wurden wir in unserer Casa noch sehr lecker mit traditionellem kubanischem Essen bekocht.

Von Soroa nach Playa Larga, 27.12.21, 290 km

Nach dem Frühstück konnten wir uns noch in unserer Casa die lokale Herstellung von Kaffee ansehen. Danach ging es auf die Autobahn, da wir heute fast 300 km bis Playa Larga hatten. Die Autobahn war kaum befahren und in einem recht guten Zustand. Auch der Rest der Strecke war ganz passabel. Trotzdem hatte Roby sich noch ein Metallteil in den Hinterreifen gefahren. Luis hatte den Reifen jedoch schnell repariert. Bisher ist das Wetter zum Motorradfahren optimal. Temperaturen zwischen 20° und 30°, mehr kann man nicht verlangen.

Kurz vor Playa Larga haben wir noch eine Krokodilfarm im Nationalpark Zapata besichtigt. Die Krokodile dort sollen zur Erhaltung der Art gezüchtet werden.

Playa Larga ist ein kleiner Ort an der geschichtsträchtigen Schweinebucht, an der 1961 von den USA unterstütze Exilkubaner einen Inversionsversuch unternahmen und bereits nach wenigen Tagen eine erhebliche Niederlage einstecken mussten. An dieses historische Ereignis erinnert derzeit nur noch ein großes Schild an der Straße. Heute ist Playa Larga Teil eines UNESCO Biosphären Reservats, das zu Naturwanderungen und Vogelbeobachtungen einlädt. Zudem ist es perfekt für alle, die abseits der Touristenströme tauchen, schnorcheln oder einfach nur in der Hängematte am naturbelassenden Strand entspannen möchten. Genau das haben wir dann auch am Nachmittag gemacht.

Von Playa Larga nach La Boca (Trinidad), 28.12.21, 220 km

Unser erstes Tagesziel war die Playa Girón. Hier landeten im April 1961 während ihrer Invasion in der Schweinebucht von den USA ausgerüstete und unterstützte Exilkubaner. Einige Ausrüstungsgegenstände und umfangreiche Informationen zum Kampf sind im Museum Playa Girón ausgestellt, das wir besucht haben.

Danach ging es weiter nach Cienfuegos, die die sechstgrößte Stadt Kubas ist. Aufgrund ihrer Attraktivität wird die Stadt in Kuba „Perle des Südens“ genannt. Im Jahr 2005 wurde das historische Stadtzentrum von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Die Stadtbesichtigung haben wir mit dem Motorrad erledigt. Das wäre was für Wolfgang gewesen.

Die Anschließende Fahrt nach Trinidad ging heute problemlos, da die gesamte Strecke gut zu fahren und kein Vergleich zu den letzten Tagen war.

Die Stadtbesichtigung von Trinidad mit Besuch des Museums hat nicht viel Zeit in Anspruch genommen, so dass wir wieder Zeitig in unserer Casa in La Boca waren und noch ein Bad im Meer mit anschließendem Sonnenuntergang genießen konnten.La Boca ist kein Ort, den man weiterempfehlen kann.

Trinidad wurde 1514 gegründet. Seinen Aufstieg zu einer wohlhabenden Stadt verdankt Trinidad dem Zucker und dem damit verbundenen Sklavenhandel. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Trinidad eine der bedeutendsten Zuckermetropolen Kubas. Als die Zuckerrohrproduktion drastisch zurückging versank Trinidad in die Bedeutungslosigkeit, konnte aber sein mittelalterliches Straßenbild und teilweise auch die Prachtbauten rund um den Plaza Major erhalten.

Trinidad, 29.12.21, 150 km

Heute haben wir eine Rundfahrt in den Nationalpark Topes de Collantes unternommen. Er befindet sich in der Sierra del Escambray rund 800 Meter über dem Meeresspiegel. Danach ging es in den Nationalpark El Nicho der zwischen Cienfuegos und Trinidad liegt. Der gleichnamige Wasserfall gehört zu den größten Wasserfällen Kubas. Die Strecke dorthin war mal asphaltiert. Ein echtes Off-Road Erlebnis. Die Piste eignet sich auch als Materialtest für die Motorräder. Auf der Rückfahrt nach Trinidad haben wir noch einen Zwischenstopp beim lokalen Bananenhändler gemacht. Ca. 20 Bananen für 20 kubanische Pesos, ca. 70 Cent zum offiziellen Wechselkurs.Zum üblichen Kurs keine 20 Cent.

Am Nachmittag haben wir eine schöne Casa in Trinidad bezogen. Nachher werden wir uns noch den Ort ansehen und was leckeres Essen.

 

Von Trinidad nach Camagüey, 30.12.21, 260 km

Zunächst mal an die Tankstelle. Benzin kostet übrigens landesweit gleich viel, wenn es welchen gibt. Heute gab es nur Benzin für Touristen. Wohl dem der noch ein Pferd besitzt.

Dann ging es auch gleich in das Valle de los Ingenios (Tal der Zuckermühlen) östlich von Trinidad. Es ist seit 1988 Welterbe der UNESCO. Insgesamt 75 einzelne historische Stätten wie Zuckermühlen, Kolonialhäuser und Sklavenunterkünfte wurden dabei berücksichtigt. Eine bedeutende Attraktion ist der Torre de Iznaga im Zentrum des Tales, auch als Sklaventurm bekannt. Den haben wir natürlich besichtigt und die Aussicht über das Tal genossen. Er diente der Beaufsichtigung der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Der 50 Meter hohe Glockenturm wurde von der Pflanzerfamilie Iznaga im Jahr 1816 erbaut. Wir durften dann auch noch selbst Zuckerrohr mahlen wie die Sklaven seinerzeit. Der Saft schmeckt sehr lecker und muss innerhalb kürzester Zeit getrunken werden, da er sich sonst schwarz verfärbt.

Weiter ging es nach Sancti Spíritus, eine zentralkubanische Stadt. Sie liegt am Fuß der Sierra de Sancti Spíritus an der größten Landstraße der Insel, der Carretera Central, etwa 50 km vom Hafen Trinidad entfernt. Die Stadt ist das Handelszentrum eines Agrargebiets, in dem Zuckerrohr, Tabak und Molkereiprodukte verarbeitet werden. Dort haben wir eine Kaffeepause eingelegt, bevor wir nach Camagüey, unserem heutigen Ziel weitergefahren sind.

Camagüey ist die drittgrößte Stadt Kubas. Hier geht es vergleichsweise ruhig zu. Auffällig sind die vielen Kirchentürme. Alleine in der Alstadt finden sich acht Kirchen. Diese sehenswerte Altstadt ist neben Havanna die zweigrößte Kubas. Das Flair ist speziell, die meisten Gebäude haben definitiv schon bessere Zeiten gesehen.

Von Camagüey nach Santo Domingo, 31.12.21, 275 km

Heute gab es wieder mal nur Benzin für Touristen. Zweimal mussten wir Tanken und Luis musste erst nachweisen das wir Touristen sind. Pro Motorrad gab es 10 Liter. Reicht für 250 km. Nicht nur Benzin ist knapp. Überall bildeten sich Schlangen um für die Silvesterfeier z.B. Bier zu kaufen.

In Bayamo haben wir eine Mittagspause eingelegt. Der Kaffee nach dem Essen wurde traditionell gestampft (gemalen) und anschließend das Pulver in eine Art Sieb gegeben und mit Wasser übergossen. Bayamo liegt am nördlichen Fuß der Sierra Maestra. Die Stadt gilt wegen ihrer historischen und kulturellen Verdienste als "Wiege der kubanischen Nation"

Unser Tagesziel Santo Domingo liegt in der Sierra Maestra, einem Gebirgszug im Osten Kubas, der im Süden steil zum Karibischen Meer abfällt. In ihm liegt die höchste Erhebung Kubas, der Pico Turquino mit 1974 m. Da die Villa Santo Domingo wegen Corona noch geschlossen hatte mussten wir auf eine Casa ausweichen. Hier sind wir auf jeden Fall im tiefste Kuba gelandet. Es kommt einem vor wie im Urwald. Der Ort lebt vom Kaffeeanbau und vom Tourismus. Es gab aber Mobilfunk, für eine brauchbare Internetverbindung hat es aber nicht gereicht.

Heute Abend sind wir zu einer traditionellen Silvesterfeier eingeladen. Es gibt Spanferkel. Die beiden Ferkel schmoren schon mehrere Stunden und werden mit der Hand gedreht.

Santo Domingo, 01.01.22

Heute blieben die Motorräder stehen. Stattdessen war eine Wanderung nach La Plata eingeplant. Die Comandancia General de La Plata ("Generalkommando der Rebellenarmee in La Plata") war das Hauptquartier der Revolutionäre um Fidel Castro in der kubanischen Revolution. Im Jahr 1978 wurde die Comandancia General zum Nationaldenkmal erklärt.

Vom Parkeingang aus wurden wir zu einem 5 km entfernten Parkplatz gefahren, von wo aus die Wanderung mit Guide begann. Auf diesem Stück wurden ca. 650 Höhenmeter überwunden, wobei das letzte Stück eine Steigung von 40% hatte. Die Strecke waren wir am Vortag schon mal mit dem Motorrad gefahren. Ich kann mich nicht erinnern ja eine solch steile Strecke gefahren zu sein.

Die Wanderung dauert ca. 4 Stunden und war kein Spaziergang. Unser Guide hat uns sogar bis zum Höchsten Punkt geführt, wo einst der Sendemast für den Radiosender von Fidel stand und uns die gesamte Geschichte.

Am Nachmittag waren wir noch im örtlichen Freibad schwimmen, dem Gebirgsfluss Yara mit klarem und wohl temperiertem Wasser. Pferde wurden dort auch gebadet. In dem ganzen Ort gibt es übrigens kein Auto oder Motorroller und alle Bewohner sind mehr oder weniger Selbstversorger.

Von Santo Domingo nach Marea del Portillo, 02.01.22, 254 km

Unser erster Stopp heute war in Manzanillo im Osten Kubas am Golf von Guacanayabo und am Fuß der Sierra Maestra gelegen. Die Stadt war sicher früher mal sehr schön, mittlerweile aber doch sehr heruntergekommen.

Weil die Strecke bis Marea del Portillo unter 200 km lang war und es gut lief, hat Luis noch einen Bonus-Track eingebaut. Wir sind bis zum südlichsten Punkt Kubas, nach Cabo Cruz gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch den Platz besichtigt, an dem Fidel mit seinen Kämpfern von Mexiko aus gelandet war. Ein Nachbau des Schiffs war dort ausgestellt. Das Highlight des Tages war die Fahrt mit dem Motorrad über den Steg ins Meer zu der Stelle wo das Boot 1956 landete. Der Bonus-Track vom Bonus-Track.

Der naturschöne ruhige Badeort Marea del Portillo, gelegen an den Ausläufern des Sierra Maestra Tropengebirges bietet ein türkisblaues Meer und die Kulisse der umgebenden tropischen Berge.

 Von Marea del Portillo nach Santiago de Cuba, 03.01.22, 176 km

Heute hatten wir die bisher schönsten Strecken Kubas. Eine schmale Straße entlang der Karibik. Das Stück von Marea del Portillo bis nach Chivirico ist eine der schönsten Küstenstraßen die ich bisher mit dem Motorrad gefahren bin. Die Strecke ist in einem desolaten Zustand, dafür ist der Spaßfaktor hoch. Hier ist wirklich ein Motorrad, das Off-Road tauglich ist, angebracht. Das Meer ist stets zum Greifen nah, links erhebt sich der Gebirgszug der Sierra Maestra, rechts das karibische Meer. Felsige Küstenabschnitte wechseln sich ab mit zahllosen kleinen Stränden. Einige Teile der Strasse sind weggespült und man fährt durch loses Geröll und Schotter.

Die Mittagspause haben wir in Chivirico eingelegt, bevor es weiter nach Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt und eine der ältesten Städten Kubas ging.

In Santiago de Cuba haben wir noch die Gräber von Fidel Castro und Jose Marti und weitere nationale Persönlichkeiten besichtigt.

Santiago de Cuba, 04.01.22, 110 km

Den heutigen Tag haben wir mit einer Stadtrundfahrt begonnen. Anschließend sind wir die Bucht entlang bis zum Leuchtturm und der Festung Castillo del Morro, die wir besichtigt haben. Die Einfahrt für Schiffe in die Bucht von Santiago de Cuba ist relativ eng, aber tief genug für Tanker und Kreuzfahrtschiffe. Danach ging es zum Gran Piedra (Großer Stein), ein charakteristischer Monolith östlich der Stadt. Mit 1225 Metern bildet er die höchste Erhebung der nach ihm benannten Cordillera de la Gran Piedra. Der Fels zählt mit seinen Ausmaßen von 51 Metern Länge, einer Höhe von 25 Metern und einer Breite von 30 Metern zu den größten Monolithen weltweit. Gesehen haben wir ihn aber nicht. Unterwegs an einem Kreisverkehr gab es Kokosnuss zu trinken.

Auf dem Rückweg haben wir eine Pause an einem Obststand an der Straße gehalten. Die Bananen sind echt lecker. Roher Kakao hingegen schmeckt recht bitter.

Zum Abschluss ist Luis mit uns dann noch durch den Jurassic Park gefahren. Das geht nur, wenn sonst keine Touristen da sind.

Nachmittags haben wir noch die Plaza de Marte und die Fußgängerzone besichtigt. Churros wurden verkauft. Eine süß-fettige Nachspeise. Der Teig wird in Streifen portioniert und frittiert. Danach werden die Churros mit Zucker bestreut oder es gibt sie auch mit warmer Schokoladen-Sauce. Dafür lohnt sich das Anstehen.

Von Santiago de Cuba nach Baracoa, 05.01.22, 250 km

Heute hatten wir eine sehr schöne Streck bis Baracoa. Es ging zuerst Richtung Guantánamo und dann um die gleichnamige Bucht zu einem Aussichtspunkt. Von dort aus kann man die US-Marinebasis in der Bucht von Guantánamo sehen.

Danach sind wir entlang der Küste, ganz im Südosten Kubas gefahren. Die ist die trockenste Gegend Kubas. Die anschließende Paßstraße, von Cajobaba nach Baracoa, ist eine der schönsten Straßen des Landes. Sie führt vom trockenen Süden auf die tropisch feuchte Nordseite der Sierra Maestra. Zum Motorrad fahren die bisher beste und mit die schönste Strecke. Der Straßenzustand war durchweg relativ in Ordnung. Quasi mit dem letzten Tropfen Benzin haben wir noch die Tankstelle in Baracoa erreicht. Die Tankstellen unterwegs hatten heute nur Benzin für staatliche Fahrzeuge wie Militär, Polizei und Krankenwagen. Die Strecke vor Baraco führte auch durch Bananen- und Kakao-Plantagen. Obst wurde unterwegs wieder reichlich an der Straße angeboten. Diverse Sorten von Bananen und leckere Mandarinen haben wir schon probiert.

Baracoa an der „Bahía de Miel“ (spanisch für: „Honigbucht“) und wird von der „Sierra del Purial“ umgeben. Die breite Gebirgskette ist auch der Grund für die Abgeschiedenheit der Stadt. Vor der Revolution war Baracoa nur über den Seeweg erreichbar. Die Stadt ist an jener Stelle errichtet, an der Christoph Kolumbus auf seiner ersten Entdeckungsreise am 27. November 1492 ankerte.

Baracoa, 06.01.22, 150 km

Zunächst haben wir kurz Baracoa besichtigt. Das Zentrum ist sehr klein. In der Kirche soll noch das Original Kreuz von Columbus stehen. Die war aber geschlossen. Die Strandpromenade ist wenig anschaulich.

Weiter ging es nach Boca de Yumuri, das direkt an der Küste und nur wenige Kilometer von der äußersten Ostspitze Cubas, der "Punta de Maisí" entfernt liegt. Der Ort liegt direkt an der Mündung des Yumuri, der flussaufwärts durch einen Canyon verläuft. Die Fischer des Dorfes bieten geführte Bootstouren über den Fluss an.

Den Punta de Maisí haben wir natürlich auch besichtigt und sind die ca. 150 Stufen den Leuchtturm hoch. Somit haben wir nach dem (fast) westlichen und dem südlichsten auch den östlichen Punkt Kubas besichtigt. Zu Mittag gab es Tety eine kubanische Fisch-Spezialität die es nur Rund um Baracoa gibt und Tostones, das sind frittierten Bananen.

Von Baracoa über Moa nach Mayarí, 07.01.22, 170 km

Erst mal abwarten bis der warme Regen aufgehört hat. Um 9 Uhr ging es dann erst mal zur Tankstelle. Benzin zu bekommen war heute kein Problem. Den Regenkombi hätten wir uns sparen können, es blieb trocken. Die Strecke von Baracoa bis zum Humboldt Park und weiter nach Moa ist auf ca. 40 km Länge eine geschobene Piste, die sich mit dem Motorrad gut fahren ließ.

Dann stand eine Wanderung im Humboldt-Nationalpark an. War bei der hohen Luftfeuchtigkeit durch den nächtlichen Regen echt schweißtreibend. Hat sich aber gelohnt. Das Visitor Center, wenn man es so nennen kann, liegt direkt an der Straße nach Moa.

Moa ist eine Industriestadt an der Nordostküste Kubas und liegt an der Küstenstraße zwischen Baracoa und Holguín. Dominierend ist der Nickelbergbau, der die Natur im Gebiet Moa stark beeinträchtigt hat. Sieht echt schlimm aus.

In Mayari sind wir auf Zwischenstation und haben auch wieder eine Internetverbindung für den täglichen Bericht.

Von Mayarí nach Camagüey, 08.01.22, 290 km

Planänderung. Wir haben uns entschlossen nach Cayo Coco, auf eine der vorgelagerten Insel zu fahren. Unter Berücksichtigung der Entfernungen und der Versorgungssituation mit Benzin ist eine Übernachtung in Camagüey notwendig, wo wir vor 9 Tagen schon einmal waren.

Die Tour dorthin führt uns zunächst nach Holguín, eine Großstadt im Osten von Kuba und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Beim Tanken war Luis schon wieder genervt. Ein Verwaltungsakt ohne Ende. Tanken in Camagüey am Nachmittag lief dagegen wie Zuhause. Unterwegs haben wir bei einer Kaffeepause eine Kokusnuss-Süüüüüüßspeise, genannt cucurucho de coco baracoa, genossen.

Übernachtet haben wir in dem Hostal Rafael, sehr zu empfehlen. Nun lassen wir den Abend noch bei einem leckeren Essen im Innenhof des Hostals ausklingen. Den fast schon obligatorischen Piña Colada haben wir schon vorher genossen.

Von Camagüey über Cayo Coco nach Morón, 09.01.22, 295 km

Erst mal Frühstück nach der Nacht. Einer telefoniert lautstark nachts um 2 an der Bar und schläft anschließend an der Theke ein und schnarcht wie verrückt. Zu allem Überfluss geht um 5 der kubanische Wecker, der Hahn. Zum Frühstück gibt es immer sehr leckere Säfte. Da könnte man sich dran gewöhnen. Insbesondere den Saft aus der Guayaba Frucht werden wir Zuhause vermissen. Auf Bananen und Reis können wir sicher eine Zeitlang verzichten.

Dann ging es nach Cayo Coco, über einen aufgeschütteten Damm. Ein ganzer Berg wurde dafür abgetragen. Die Fahrt war schon ein Erlebnis. Dann wollten wir, wie gewünscht, um 14 Uhr in dem Resort in Cayo Coco einchecken. Das war aber nicht möglich. Die Preisliste war am 31.12.21 ausgelaufen und eine Neue hatte man noch nicht. Dann sollte ein Manager vorbeikommen. Der war aber 50 km entfernt. Das Resort hatte haufenweise freie Zimmer, trotzdem sollten wir auf den Manager warten. Hier ist man flexibel wie ein Amboss. Wir hatten wirklich keine Lust in Motorradklamotten eine Stunde oder länger zu warten und haben kehrt gemacht.  

Wir sind zu guter Letzt in Morón in der kubanischen Provinz Ciego de Ávila gelandet.

Von Morón nach Santa Clara, 10.01.22, 170 km

Nach einem sehr guten Frühstück ging es Richtung Santa Clara. Unterwegs haben wir noch eine ehemalige Zuckerrohr-Fabrik besucht. Wir waren die ersten Besucher dieses Museums nach 2 Jahren. Eine kleine Mittagspause haben wir in Remedios eingelegt. Eine schöne kleine Stadt mit einem schönen zentralen Platze.

Da es bis Santa Clara nur 170 km waren sind wir schon um 14 Uhr an der Stelle, wo Che Guevara seinerzeit den Zug mit den Regierungstruppen hat entgleisen lassen. Das Grabmals von Che Guevara konnten wir nicht besuchen, da es wegen Corona geschlossen war. Dafür hatten wir den Platz mit dem Denkmal quasi für uns alleine.

Die oft gegessenen Camarones, nach Karibik pur schmeckende Shrimps möchte ich nicht vergessen zu erwähnen. Die gab es gestern Abend nochmal. Sie werden in einer feinen Tomaten- oder Kokos-Sauce in der Pfanne zubereitet.

Unsere Motorrad-Reise neigt sich dem Ende. Morgen ist der letzte Reisetag, bevor die Motorradtour endet und wir noch zwei Tage Pause vor dem Heimflug einlegen.

Von Santa Clara über Mantanzas nach Memories Jibacoa Resort, 12.01.22, 233 km

Wie jeden Tag ging es auch heute wieder zeitig los. Natürlich wieder bei strahlendem Sonnenschein und 25°C schon um 9:00 Uhr. Die Tour ging mehr oder weniger Schnur geradeaus und besondere Sehenswürdigkeiten standen auch keine mehr an.Die Gegend hier ist recht Flach und viele Rinderfarmen sind zu sehen. Der Cowboy trägt hier Gummistiefel und das Pferd kann einem schon mal leidtun.

Kurz vor Ende der Reise hat es uns dann doch noch erwischt, es regnete. Nach 15 Minuten war der Spuk schon wieder vorbei und bei der Einfahrt auf den Hotelparkplatz waren wir auch schon wieder trocken.

Den letzte Motorrad Reisetag haben wir auch noch unfallfrei geschafft. Am Mittag stellten wir unsere BMW's nach insgesamt 3.700 km ab und haben die Motorräder gegen unsere Reisekoffer getauscht. Es gab schon bessere Tauschgeschäfte.

Nach über 3 Wochen sind wir froh, bald wieder Zuhause zu sein.

Fazit:

Es war eine intensive, erlebnisreiche und schöne Reise und das als Motorrad-Tour. An diese Reise werden wir sicher noch oft zurückdenken. Wie immer bleiben sicher auch dieses Mal die schönen Momente in Erinnerung.

Nun noch einige Tipps für die, die auch nach Kuba reisen möchten.

Währung und Geldwechsel: Oft werden einem im Restaurant die Rechnungen in kubanische Pesos und Euro vorgelegt. Der Kurs ist mindesten 3-fach besser als der offizielle Kurs, den man in der Bank oder in Wechselstuben erhält. Dadurch sind die Preise günstiger als Zuhause. Ansonsten wäre es deutlich teurer. In jedem Fall ist Bargeld in Euro sehr begehrt. US$ sind nicht gefragt. Die Kreditkarte haben wir nicht ein einziges Mal gebraucht.

Straßen und Verkehr: Teilweise sind die Straßen katastrophal. Die einzige Verbindung nach Maria la Gorda und ein 40 km langes Stück zwischen Baraco und Moa sowie viele Nebenstrecken sind besonders schlecht. Vielfach sind die Straßen aber auch in einem akzeptablen Zustand und besser als ihr Ruf. Mit Schlaglöchern muss man jedoch jederzeit rechnen. Die Verkehrsdichte ist relativ gering. Unterwegs ist alles was Räder hat. Amerikanischen Straßenkreuzer, Motorroller, Elektroroller, LKW, Busse, Traktoren, Fahrräder, Pferde und Ochsengespanne. Ohne Räder sind Reiter, Fußgänger und manchmal Ochsengespanne unterwegs, die etwas hinter sich her schleifen. Pferde sieht man überall und sehr häufig im Straßenverkehr als Personentransport.

Routenplanung und Navigation: Es ist generell verboten Navigationsgeräte mitzubringen. Smartphones sind erlaubt. Die Off-Line Navigation mit z.B. Calimoto oder auch zum Wandern mit Komoot funktioniert sehr gut.

Hotels und Casa: Mit den Casas ist das wie mit den Hotels. Es gibt solche und solche. Manche verdienen die Bezeichnung Unterkunft nicht. Es gibt auch welche, wie die Casa Lola in Trinidad, die wirklich sehr gut und empfehlenswert sind. Hotels sind entweder staatlich oder mit privater Beteiligung. Bis hin zum All Inclusive Resort ist alles verfügbar. Hier sollte man die Wünsche mit dem Reiseveranstalter klar definieren.

Mobilfunk und Internet: Die Mobilfunkverbindung in Kuba ist durchweg vorhanden. Über einen mobile Datentarif hat man meistens unterwegs auch eine brauchbare Internetverbindung.

Land und Leute: Kuba ist wirklich ein sehr armes Land und von Corona sicher sehr getroffen. Die Tourismus-Branche trug 2019 ca. 10,6 % zum BIP bei. Trotz sehr niedriger Corona Zahlen waren kaum Touristen unterwegs. Die Menschen sind alle sehr nett und hilfsbereit. Die Mangelwirtschaft ist nicht nur an der Tankstelle sichtbar. Die Regale in den Geschäften sind fast leer. Oft gibt es nur ganz wenige Artikel zu kaufen, davon aber dann mehr als genug. Oft sieht man lange Schlangen vor den Geschäften, wenn es etwas gibt, wozu man auch eine Einkaufsberechtigung hat. Es gibt auch Geschäfte in denen man nur mit harter Währung wie Euro oder Pfund einkaufen kann. Als Tourist bekommt man selbst von der Mangelwirtschaft wenig zu spüren.